Ein Tag im Township

Wer Menschen porträtieren will, muss sich mit ihnen treffen. Wer sie verstehen möchte, sollte mit ihnen Orte aufsuchen, die ihr Leben geprägt haben. Genau das hat das Büro für Kommunikation in Stuttgart getan. Für das Porträt von Henry Pienaar ist campra nach Südafrika gereist. Der Mitarbeiter der Lack- und Farbenfabrik Wörwag wuchs in einem Township auf. Das Making of einer ungewöhnlichen Geschichte für das Kundenmagazin finish.

Wir geben es zu: Vor der Fahrt ins Township ist allen Beteiligten ein wenig mulmig. Doch als wir auf den Parkplatz neben der Zufahrtsstraße zum Armenviertel abbiegen, anhalten und aussteigen, sind alle Bedenken verflogen. Es ist ein herrlicher Wintermorgen in Kapstadt, knapp 15 Grad, blauer Himmel, die Sonne scheint. Dass wir entspannt durch das Township gehen, liegt nicht nur an Henry Pienaars Begleitung, sondern auch an einem ehemaligen Bewohner des Armenviertels, der sich fürsorglich um uns kümmert. Mbuyi Nogantshi hat wie Henry Pienaar den Absprung geschafft. Inzwischen wohnt er in einer Mietwohnung und nicht mehr in einer Wellblechhütte. Er erzählt, dass sein Vater früher im Township die Schuhe der besserverdienenden Weißen repariert hat. Heute gibt es dafür keinen Bedarf mehr. Jetzt werden deren Fahrzeuge gewaschen. Wir werden von den Menschen im Township mit offenen Armen empfangen. Das Eintauchen in die ungewohnte Welt fällt leicht, da die Bewohner es uns Gästen einfach machen. Der Schweizer Fotograf Laurent Burst geht ebenso behutsam bei der Motivsuche vor, wie Michael Thiem bei der Recherche. Unzählige Male erzählen wir, warum wir hier sind und was wir vorhaben. Erst dann kommen Fotoapparat und Notizblock zum Einsatz.

Im Township Langa

Rund 200.000 Menschen leben in Langa, einem Township rund 15 Kilometer von Kapstadts Zentrum entfernt. Am Straßenrand schaben Frauen die letzten Fleischreste von Schafsköpfen. Andere Teile des Tiers können sie sich nicht leisten. In einer kleinen Seitenstraße stehen Plastikeimer, in denen Sojabohnen keimen. Daraus wird später Bier gebraut. Im kleinen Versammlungsraum in einer Wellblechhütte sitzen bereits zur Mittagszeit Männer und lassen einen Fünf-Liter-Eimer Bier kreisen.

Zurück zu den Wurzeln

Pienaar führt uns herum. „Es ist gut, wenn uns die Bewohner des Township kennenlernen und mit uns sprechen. Sie müssen sehen, dass es sich lohnt, das Township zu verlassen. Sie müssen begreifen, dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen“, erzählt Pienaar, der bei Wörwag als Technischer Kundenbetreuer arbeitet. Deshalb joggt er gelegentlich durch das Armenviertel. Auch wenn er längst nicht mehr zu ihnen gehört, hat er seine Wurzeln nicht vergessen. Als Kind wurde Henry Pienaar von seinen Eltern zur Adoption freigegeben. Er kommt in eine andere Familie im Township. Dort hat er sieben Halbgeschwister. Er ist der einzige von ihnen, der es aus dem Township geschafft hat. Für Wörwag ist diese Lebensgeschichte eine Steilvorlage. Denn für die Lack- und Farbenfabrik stehen in der Kommunikaton stets die Mitarbeiter im Vordergrund. Sie sind für den Erfolg des Familienunternehmens aus Stuttgart maßgeblich verantwortlich.

Das Township ist allerdings nicht der einzige Ort, den campra mit Henry Pienaar besucht. Der 45-Jährige ist engagiertes Mitglied der Alt-Apostolischen Kirche und betreut in seiner Freizeit rund 250 Mitglieder. Fast jeden Abend ist der Vater von zwei Töchtern (13 und 18 Jahre alt) dafür in der Gemeinde unterwegs. In einer Kirche in Kapstadt erzählt Henry Pienaar, was der Glaube für ihn bedeutet.

Ein besonders wichtiger Ort in Kapstadt steht mitten im Vergnügungsviertel V&A Waterfront. Dort befindet sich die Bronzestatue von Nelson Mandela. Südafrikas Freiheitskämpfer bedeutet auch Henry Pienaar alles. „Nur ihm haben wir das Ende der Apartheid und die Gleichberechtigung zu verdanken“, sagt er und erinnert sich an einen ganz besonderen Moment in seinem Leben. Am 1. April 1990 im Standard House Building in Port Elizabeth hat er Nelson Mandela getroffen und dessen Hand geschüttelt. „Diese Hand wollte ich danach nie mehr waschen“, schmunzelt Pienaar.

WEITERE WÖRWAG-PROJEKTE

© 2019 campra GmbH – Büro für Kommunikation